Sparplan oder Einmalanlage: Was der Cost-Average-Effekt leisten kann

Ob eine größere Summe auf einmal oder in Raten angelegt wird, beschäftigt viele Anlegerinnen und Anleger. Der Cost-Average-Effekt wird dabei häufig als Vorteil dargestellt, den er in dieser Form nicht bietet.

Nahaufnahme von gestapelten Gold- und Silber-Bitcoins auf einem Holztisch mit Pflanzen im Hintergrund.

Wer über eine größere Summe verfügt, etwa aus einer Erbschaft, einer Abfindung oder einem Bonus, steht vor einer wiederkehrenden Frage: alles auf einmal anlegen oder über einen längeren Zeitraum verteilen. Beide Wege haben Fürsprecher.

Als Begründung für die Verteilung wird regelmäßig der Cost-Average-Effekt angeführt, im Deutschen als Durchschnittskosteneffekt bezeichnet. Was er tatsächlich beschreibt und was ihm fälschlich zugeschrieben wird, lässt sich klar trennen.

Was der Effekt beschreibt

Die Mechanik

Wird über längere Zeit ein gleichbleibender Betrag angelegt, werden bei niedrigen Kursen mehr Anteile erworben und bei hohen Kursen weniger. Der durchschnittliche Einstandspreis liegt dadurch unter dem Durchschnitt der Kurse.

Dieser Zusammenhang ist mathematisch korrekt und wird häufig als Beleg für einen Vorteil angeführt. Er beschreibt allerdings nur das Verhältnis zwischen zwei Durchschnitten, nicht das Ergebnis im Vergleich zu einer anderen Vorgehensweise.

Der verbreitete Denkfehler

Aus dem niedrigeren Einstandspreis folgt nicht, dass ein Sparplan mehr einbringt als eine sofortige Anlage derselben Summe. Verglichen werden hier zwei unterschiedliche Situationen, denn beim Sparplan ist ein Teil des Geldes zeitweise nicht investiert.

Da Märkte über lange Zeiträume häufiger steigen als fallen, ist der nicht investierte Teil im Durchschnitt ein Nachteil. Untersuchungen über lange Zeitreihen zeigen daher, dass die sofortige Anlage in der Mehrzahl der Fälle vorn liegt.

Wo der Effekt tatsächlich greift

Sinnvoll ist die Unterscheidung zwischen zwei Ausgangslagen. Wer monatlich aus dem laufenden Einkommen spart, hat gar keine Wahl: Das Geld steht erst nach und nach zur Verfügung, und der Effekt ist die Beschreibung dieses Vorgangs, kein Vorteil.

Wer dagegen bereits über die gesamte Summe verfügt, trifft eine echte Entscheidung. Nur in diesem Fall ist der Vergleich überhaupt sinnvoll, und nur hier stellt sich die Frage nach dem besseren Weg.

Der Nutzen liegt anderswo

Der eigentliche Wert der Verteilung ist nicht rechnerisch, sondern verhaltensbezogen. Wer eine große Summe auf einmal anlegt und kurz darauf einen Kursrückgang erlebt, verkauft mit erhöhter Wahrscheinlichkeit.

Die Verteilung verringert diese Gefahr, weil das Bedauern über einen ungünstigen Zeitpunkt kleiner ausfällt. Für die tatsächliche Rendite ist dieser Punkt bedeutsamer als jede Durchschnittsrechnung.

Wie sich die Entscheidung treffen lässt

Die eigene Belastbarkeit

Maßgeblich ist die Frage, wie ein Rückgang von dreißig oder vierzig Prozent kurz nach der Anlage verkraftet würde. Wer diese Vorstellung als bedrohlich empfindet, sollte verteilen.

Diese Selbsteinschätzung fällt vor der ersten Marktkorrektur naturgemäß optimistischer aus als danach. Eine vorsichtige Einschätzung ist deshalb in aller Regel die zutreffendere.

Der Zeitraum der Verteilung

Wird verteilt, sollte der Zeitraum begrenzt bleiben. Üblich sind sechs bis zwölf Monate. Über längere Zeiträume überwiegt der Nachteil des nicht investierten Teils zunehmend.

Wichtig ist ein fester Plan mit festen Terminen. Wird die nächste Rate von der jeweiligen Marktlage abhängig gemacht, entsteht genau die Zeitpunktentscheidung, die vermieden werden sollte.

Die Anlageklasse berücksichtigen

Bei schwankungsarmen Anlagen wie Tagesgeld oder kurzlaufenden Anleihen ist eine Verteilung ohne Nutzen. Sie lohnt allenfalls dort, wo mit erheblichen Kursbewegungen zu rechnen ist.

Umgekehrt gilt: Je stärker eine Anlage schwankt, desto größer ist der verhaltensbezogene Nutzen der Verteilung, und desto größer ist zugleich der rechnerische Nachteil.

  • Sparplan aus laufendem Einkommen: keine echte Wahl
  • vorhandene Summe: sofortige Anlage rechnerisch meist vorn
  • Verteilung als Schutz vor eigener Reaktion
  • Verteilungszeitraum begrenzen, Termine festlegen

Der Sparplan aus laufendem Einkommen

Der eigentliche Vorteil

Für den monatlichen Sparplan spricht nicht der Durchschnittskosteneffekt, sondern die Verlässlichkeit. Ein eingerichteter Auftrag wird ausgeführt, unabhängig von Nachrichtenlage und Stimmung.

Genau diese Unabhängigkeit von der Tagesform hat sich über lange Zeiträume als der wirksamste Beitrag zum Anlageerfolg privater Haushalte erwiesen.

Höhe und Anpassung

Die Rate sollte so bemessen sein, dass sie auch in schwächeren Monaten tragbar bleibt. Eine dauerhaft eingehaltene kleinere Rate wirkt stärker als eine hohe, die nach einem Jahr ausgesetzt wird.

Eine jährliche Erhöhung im Umfang der Gehaltsentwicklung hält den realen Beitrag konstant. Viele Anbieter bieten dafür eine automatische Dynamisierung an.

Kosten im Blick behalten

Bei kleinen Raten fallen Ordergebühren prozentual erheblich ins Gewicht. Sparpläne ohne Ausführungsentgelt oder eine vierteljährliche statt monatliche Ausführung verringern diesen Anteil.

Zu prüfen ist, ob eine Aktion befristet ist. Nach Ablauf gelten häufig reguläre Konditionen, und der Vorteil entfällt, ohne dass eine Mitteilung erfolgt.

Was wichtiger ist als der Zeitpunkt

Anlagehorizont und Reserve

Vor jeder Zeitpunktfrage steht die Prüfung, ob das Geld über den vorgesehenen Zeitraum entbehrlich ist und ob eine ausreichende Reserve für unvorhergesehene Ausgaben besteht.

Wer in einer schwachen Marktphase verkaufen muss, verliert unabhängig davon, wie klug der Einstieg gestaltet war. Diese Reihenfolge entscheidet stärker über das Ergebnis als jede Verteilungsstrategie.

Streuung und Kosten

Ebenso wirken breite Streuung und niedrige laufende Kosten über Jahrzehnte deutlich stärker als der gewählte Einstiegszeitpunkt. Beide Größen sind zudem beeinflussbar, der Kursverlauf nicht.

Wer die Aufmerksamkeit auf diese beiden Punkte richtet, arbeitet an dem Teil des Ergebnisses, der tatsächlich in der eigenen Hand liegt.

Eine praktikable Antwort

Für die meisten Haushalte lautet die Antwort: aus dem laufenden Einkommen monatlich sparen und größere Einmalbeträge über einige Monate verteilen, wenn die sofortige Anlage Unbehagen auslösen würde.

Diese Lösung ist rechnerisch nicht die optimale, aber sie wird eingehalten. Ein Plan, der durchgehalten wird, schlägt einen überlegenen Plan, der nach dem ersten Rückschlag aufgegeben wird.

Über den Autor

Mark