Die meisten Haushalte in Deutschland wickeln alles über ein einziges Girokonto ab. Gehalt, Miete, Versicherungen, Einkäufe, Sparraten und Urlaubsgeld laufen über denselben Kontostand, und aus dieser Zahl soll abgelesen werden, wie viel Spielraum tatsächlich besteht.
Das funktioniert selten. Der angezeigte Betrag enthält bereits vergebene Mittel, deren Abbuchung erst später erfolgt, und je nach Zeitpunkt im Monat entsteht ein völlig unterschiedlicher Eindruck von der eigenen Lage.
Der Aufbau des Modells
Das Eingangs- und Fixkostenkonto
Auf dieses Konto geht das Gehalt ein, und von hier laufen alle wiederkehrenden Verpflichtungen ab: Miete, Nebenkosten, Strom, Versicherungen, Mobilfunk, Kreditraten und Abonnements.
Weil hier keine Alltagsausgaben stattfinden, bleibt der Kontostand über den Monat hinweg berechenbar. Abweichungen fallen sofort auf und deuten in aller Regel auf eine geänderte Abbuchung hin.
Das Alltagskonto
Zu Beginn des Monats wird ein fester Betrag auf das Alltagskonto überwiesen. Von dort werden Lebensmittel, Freizeit, Kleidung und alle übrigen laufenden Ausgaben bestritten.
Der Kontostand dieses Kontos beantwortet die eigentlich interessante Frage unmittelbar: Wie viel steht bis zum Monatsende noch zur Verfügung. Eine Rechnung ist dafür nicht nötig, und genau darin liegt der Nutzen.
Das Rücklagenkonto
Auf das dritte Konto fließt der Sparbetrag, unmittelbar nach dem Gehaltseingang. Es dient zugleich als Ablage für Beträge, die zwar monatlich zurückgelegt, aber nur einmal jährlich benötigt werden.
Dazu zählen die Kfz-Versicherung, die Kfz-Steuer, Urlaub, Weihnachtsgeschenke und eine Reserve für Reparaturen. Diese Posten sind die häufigste Ursache dafür, dass ein an sich ausgeglichenes Budget aus dem Tritt gerät.
Die Reihenfolge der Überweisungen
Entscheidend ist der Ablauf am Monatsanfang. Zuerst geht der Sparbetrag auf das Rücklagenkonto, danach der Alltagsbetrag auf das zweite Konto, und was auf dem Eingangskonto verbleibt, deckt die Fixkosten.
Diese Reihenfolge ist unter der Bezeichnung „zuerst sich selbst bezahlen“ bekannt. Sie wirkt zuverlässiger als jeder Vorsatz, weil die Entscheidung bereits gefallen ist, bevor der Monat beginnt.
Was das Modell leistet
Sichtbarkeit ohne Buchführung
Der wesentliche Vorteil liegt darin, dass keine Erfassung einzelner Ausgaben erforderlich ist. Die Trennung selbst liefert die Information, die ein Haushaltsbuch mühsam zusammentragen müsste.
Damit entfällt die häufigste Ursache für das Scheitern von Budgetvorhaben. Was keine tägliche Pflege verlangt, wird auch nach dem dritten Monat noch eingehalten.
Der Puffer gegen Rückläufer
Weil die Fixkosten von einem eigenen Konto abgehen, das nicht für Alltagsausgaben genutzt wird, sinkt die Gefahr einer nicht gedeckten Lastschrift erheblich. Rückläufer gehören zu den teuersten und zugleich vermeidbarsten Kosten im Zahlungsverkehr.
Empfehlenswert ist ein kleiner dauerhafter Bodensatz auf dem Eingangskonto, der eine unerwartet höhere Abbuchung abfängt, ohne den Dispositionsrahmen in Anspruch zu nehmen.
Jahresposten verlieren ihren Schrecken
Beiträge, die nur einmal jährlich anfallen, werden über zwölf Monate angespart und stehen zum Fälligkeitstermin bereit. Die Belastung verteilt sich, statt einen einzelnen Monat zu sprengen.
Die Berechnung ist einfach: Jahresbetrag durch zwölf, aufgerundet. Alle Posten zusammen ergeben den monatlichen Anteil, der auf das Rücklagenkonto fließt.
Grundlage für den Vertragscheck
Weil alle wiederkehrenden Verpflichtungen über ein einziges Konto laufen, liegt die Liste für einen jährlichen Vertragscheck bereits vor. Sie muss nicht erst aus einem Wust gemischter Umsätze herausgefiltert werden.
Diese Nebenwirkung wird häufig unterschätzt. Der Aufwand für die Überprüfung der eigenen Verträge sinkt dadurch von mehreren Stunden auf wenige Minuten.
- Konto 1: Gehaltseingang und alle Fixkosten
- Konto 2: fester Monatsbetrag für den Alltag
- Konto 3: Sparrate und Jahresposten
- Reihenfolge: erst sparen, dann Alltag, dann Fixkosten
Die Einrichtung in der Praxis
Welche Konten geeignet sind
Für das Eingangs- und das Alltagskonto eignen sich Girokonten, für die Rücklagen ein Tagesgeldkonto mit täglicher Verfügbarkeit. Ein Ertrag ist dabei zweitrangig gegenüber der Trennung.
Viele Institute bieten kostenfreie Unterkonten an, die für diesen Zweck ausreichen. Ein zweites Institut ist nicht erforderlich, schafft aber zusätzlichen Abstand zum Alltagskonto.
Die Höhe des Alltagsbetrags
Der monatliche Betrag ergibt sich aus den tatsächlichen Ausgaben der vergangenen drei Monate, nicht aus einer Schätzung. Kontoauszüge liefern diese Grundlage schneller als jede neu begonnene Aufzeichnung.
Zu knapp bemessen führt der Betrag dazu, dass regelmäßig nachüberwiesen wird, und die Trennung verliert ihren Sinn. Eine Anpassung nach zwei bis drei Monaten ist normal.
Karten und Zugriffe
Praktikabel ist eine Karte für das Alltagskonto und keine für das Rücklagenkonto. Die zusätzliche Hürde von ein bis zwei Werktagen bis zur Überweisung verhindert spontane Zugriffe.
Für das Eingangskonto genügt der Zugang im Online-Banking. Eine Karte wird dort nicht benötigt und würde die saubere Trennung eher gefährden.
Grenzen und Anpassungen
Bei schwankenden Einnahmen
Wer selbstständig arbeitet oder auf Provision angewiesen ist, kennt keinen gleichbleibenden Monatsbetrag. In diesem Fall dient ein vorgeschaltetes Konto als Puffer, von dem ein festes Gehalt an sich selbst überwiesen wird.
Die Höhe orientiert sich am schwächsten Monat der vergangenen zwölf. Überschüsse verbleiben auf dem Puffer und gleichen schwache Monate aus, statt sofort in den Konsum zu fließen.
Bei gemeinsamer Haushaltsführung
In Partnerschaften lässt sich das Modell erweitern, indem beide einen festgelegten Anteil auf ein gemeinsames Fixkostenkonto einzahlen und je ein eigenes Alltagskonto behalten.
Zu beachten ist die gesamtschuldnerische Haftung bei Gemeinschaftskonten. Beide Personen haften für einen Sollstand, unabhängig davon, wer ihn verursacht hat.
Wann es zu viel wird
Mehr als drei Konten führen selten zu mehr Übersicht. Jedes zusätzliche Konto erhöht den Verwaltungsaufwand und die Zahl der Zugänge, ohne die Trennung wesentlich zu verbessern.
Das Modell ist ein Werkzeug, kein Selbstzweck. Sobald es mehr Aufmerksamkeit verlangt, als es an Übersicht schafft, ist es zu kompliziert geworden und sollte vereinfacht werden.