Innerhalb des Kryptomarktes nehmen Stablecoins eine besondere Stellung ein. Während andere Kryptowerte für ihre Schwankungen bekannt sind, versprechen sie das Gegenteil: einen Kurs, der dauerhaft dem einer staatlichen Währung entspricht.
Dieses Versprechen ist der Grund für ihre Verbreitung. Sie dienen als Zwischenstation beim Handel, als Recheneinheit auf Plattformen und als Weg, Bestände zu halten, ohne in eine gewöhnliche Währung zurückzuwechseln.
Wie die Bindung hergestellt werden soll
Deckung durch Guthaben
Die verbreitetste Bauform hinterlegt für jede ausgegebene Einheit einen entsprechenden Betrag in Bankguthaben oder kurzlaufenden Staatsanleihen. Die Bindung beruht damit auf einer tatsächlichen Reserve.
Entscheidend ist die Zusammensetzung dieser Reserve und ihre Überprüfbarkeit. Ein Bestand aus Sichteinlagen und kurzlaufenden Staatsanleihen ist anders zu beurteilen als einer mit Unternehmensanleihen oder anderen Kryptowerten.
Deckung durch Kryptowerte
Eine zweite Bauform hinterlegt andere Kryptowerte als Sicherheit, und zwar in einem höheren Wert als die ausgegebene Menge. Der Überschuss soll Kursrückgänge der Sicherheiten auffangen.
Diese Konstruktion ist von der Entwicklung der hinterlegten Werte abhängig. Fallen sie stark und schnell, kann die Übersicherung aufgezehrt werden, und die Bindung gerät unter Druck.
Bindung durch Algorithmus
Eine dritte Variante verzichtet auf Sicherheiten und steuert die umlaufende Menge über Regeln, die auf Angebot und Nachfrage reagieren sollen. Eine Reserve besteht nicht.
Diese Bauform hat sich als besonders anfällig erwiesen. Verliert der Markt das Vertrauen, entfällt der Mechanismus, der die Bindung tragen sollte, und der Kurs kann sehr schnell einbrechen.
Warum die Unterscheidung zählt
Alle drei Formen tragen dieselbe Bezeichnung und werden auf Plattformen ähnlich dargestellt. Ihre Belastbarkeit unterscheidet sich jedoch grundlegend.
Wer einen Stablecoin nutzt, sollte deshalb wissen, welcher Bauart er angehört und wodurch die Bindung gedeckt ist. Diese Angabe findet sich in den Unterlagen des Herausgebers.
Wo die Grenzen liegen
Kein Bankguthaben
Ein Stablecoin ist kein Guthaben bei einer Bank. Die gesetzliche Einlagensicherung greift nicht, und es besteht kein Anspruch gegen eine Entschädigungseinrichtung.
Es handelt sich um eine Forderung gegen den Herausgeber oder um einen Anspruch auf Rücktausch nach dessen Bedingungen. Dessen Zahlungsfähigkeit ist damit Bestandteil des Risikos.
Abweichungen vom Zielkurs
Auch bei gut gedeckten Stablecoins kommt es zu vorübergehenden Abweichungen vom Zielkurs, insbesondere in Phasen erhöhter Unsicherheit oder bei Problemen einzelner Verwahrstellen.
Diese Abweichungen sind meist gering und kurzlebig. Sie zeigen jedoch, dass die Bindung eine Zusage ist und keine technische Eigenschaft, die unter allen Umständen gilt.
Zinsangebote auf Stablecoins
Verbreitet sind Angebote, die eine Verzinsung auf hinterlegte Stablecoins versprechen. Der Ertrag stammt in aller Regel daraus, dass die Bestände weiterverliehen werden.
Damit tritt ein zusätzliches Ausfallrisiko hinzu, das mit der Stabilität der Währungsbindung nichts zu tun hat. Die Verzinsung ist die Vergütung für dieses Risiko, nicht für die Verwahrung.
Regulierung in Europa
Mit der europäischen Verordnung über Märkte für Kryptowerte gelten für Herausgeber wertreferenzierter Token und E-Geld-Token verbindliche Anforderungen an Reserven, Rücktausch und Berichterstattung.
Die Vorgaben verbessern die Nachvollziehbarkeit erheblich. Sie machen einen Stablecoin jedoch nicht zu einem gesetzlich gesicherten Bankguthaben.
- Deckung durch Guthaben, durch Kryptowerte oder algorithmisch
- keine gesetzliche Einlagensicherung
- Zinsangebote enthalten ein zusätzliches Ausfallrisiko
- Bauart und Reserve vor der Nutzung prüfen
Wofür sie genutzt werden
Als Zwischenstation im Handel
Auf Handelsplattformen dienen Stablecoins als Recheneinheit, die den Wechsel zwischen Kryptowerten ohne Rückkehr in eine staatliche Währung ermöglicht. Das verringert Aufwand und Kosten der Umwandlung.
Für diesen Zweck ist die Haltedauer kurz, und das Risiko einer Abweichung fällt entsprechend gering aus. Als dauerhafte Aufbewahrung ist die Konstruktion weniger geeignet.
Für Übertragungen
Übertragungen erfolgen unabhängig von Bankarbeitszeiten und Landesgrenzen. In Regionen mit eingeschränktem Zugang zu Bankdienstleistungen ist das ein praktischer Vorteil.
Innerhalb des Euroraums stehen mit Echtzeitüberweisungen jedoch Verfahren zur Verfügung, die dieselbe Aufgabe ohne die genannten Risiken erfüllen.
Nicht als Ersatz für Rücklagen
Für den Notgroschen sind Stablecoins ungeeignet. Es fehlen die gesetzliche Sicherung und die Gewissheit, den Betrag jederzeit zum Nennwert zurücktauschen zu können.
Ein Tagesgeldkonto erfüllt beide Anforderungen und ist für diesen Zweck ohne Alternative, unabhängig von der Höhe der Verzinsung.
Einordnung
Die steuerliche Behandlung
Auch der Tausch zwischen Kryptowerten und Stablecoins gilt in Deutschland als Veräußerungsvorgang. Er kann innerhalb der einjährigen Haltefrist steuerpflichtige Gewinne auslösen.
Eine vollständige Dokumentation aller Vorgänge ist deshalb erforderlich, auch wenn kein Betrag in eine staatliche Währung zurückgeflossen ist.
Was bleibt
Stablecoins lösen ein reales Problem innerhalb des Kryptomarktes: Sie schaffen eine Recheneinheit ohne die Schwankungen anderer Kryptowerte. Diese Leistung ist auf dieses Umfeld bezogen.
Außerhalb davon ersetzen sie kein Bankkonto. Wer nur eine stabile Aufbewahrung sucht, findet sie in einer gewöhnlichen Einlage mit besserem Schutz und geringerem Aufwand.
Was vor der Nutzung zu klären ist
Drei Fragen genügen für eine erste Einordnung: Wer gibt den Stablecoin heraus, wodurch ist er gedeckt, und wie ist der Rücktausch geregelt.
Lassen sich diese Fragen aus öffentlich zugänglichen Unterlagen nicht beantworten, ist das für sich genommen bereits ein Ergebnis.
Der Rücktausch in Euro
Entscheidend für die Belastbarkeit ist, ob und zu welchen Bedingungen ein Rücktausch zum Nennwert verlangt werden kann. Manche Herausgeber gewähren diesen Anspruch nur ab einem Mindestbetrag oder gegen Entgelt.
In der Praxis erfolgt der Rücktausch für private Nutzer daher meist über den Markt und nicht beim Herausgeber. Der erzielte Kurs kann in angespannten Phasen unter dem Nennwert liegen.
Reserveberichte lesen
Größere Herausgeber veröffentlichen regelmäßig Aufstellungen über die Zusammensetzung ihrer Reserven, teils mit Bestätigung einer Prüfungsgesellschaft. Zwischen einer vollständigen Prüfung und einer bloßen Bestätigung besteht ein erheblicher Unterschied.
Aufschlussreich sind Fälligkeitsstruktur und Verwahrstellen der Reserve. Beides bestimmt, wie schnell im Bedarfsfall Mittel bereitstehen.