Wer zwei Fonds auf denselben Index vergleicht, findet in den Unterlagen eine Kennzahl namens Gesamtkostenquote, meist als TER abgekürzt. Die Werte unterscheiden sich häufig um wenige Zehntel eines Prozentpunkts, und genau deshalb wird die Zahl selten ernst genommen.
Diese Einschätzung unterschätzt die Wirkung erheblich. Kosten mindern nicht nur den Ertrag eines einzelnen Jahres, sondern auch die Grundlage, auf der in allen folgenden Jahren Erträge entstehen. Sie wirken damit nach derselben Mechanik wie der Zinseszins, nur mit umgekehrtem Vorzeichen.
Was die Gesamtkostenquote umfasst
Die enthaltenen Posten
In die Quote fließen die laufenden Kosten des Fonds ein: Verwaltungsvergütung, Depotbankentgelt, Kosten für Wirtschaftsprüfung, Veröffentlichungen und Lizenzgebühren für den nachgebildeten Index.
Sie werden dem Fondsvermögen fortlaufend entnommen und nicht gesondert in Rechnung gestellt. Der veröffentlichte Kurs ist bereits um diese Kosten bereinigt, weshalb sie auf keiner Abrechnung erscheinen.
Was nicht enthalten ist
Nicht erfasst sind die Handelskosten innerhalb des Fonds, also Gebühren und Marktbewegungen beim Kauf und Verkauf von Wertpapieren. Sie fallen bei Indexfonds mit häufiger Anpassung stärker ins Gewicht.
Ebenfalls außen vor bleibt die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs an der Börse. Bei breit gehandelten Produkten ist sie gering, bei kleinen oder spezialisierten Fonds kann sie den Kostenvorteil einer niedrigen Quote aufzehren.
Die Kosten des eigenen Depots
Hinzu kommen Kosten, die nicht der Fonds, sondern die Bank erhebt: Depotführungsentgelt, Ordergebühren, Ausführungsentgelt des Handelsplatzes und gegebenenfalls ein Entgelt für die Ausführung eines Sparplans.
Bei kleinen Raten fallen diese Beträge prozentual erheblich ins Gewicht. Eine Ordergebühr von wenigen Euro entspricht bei einer Rate von fünfzig Euro einem mehrprozentigen Abschlag auf jede einzelne Ausführung.
Die aussagekräftigere Kennzahl
Wer die tatsächliche Belastung beurteilen möchte, betrachtet die Nachbildungsabweichung über mehrere Jahre. Sie zeigt, wie weit der Fonds hinter seinem Index zurückgeblieben ist, und erfasst damit auch nicht ausgewiesene Kosten.
Aufschlussreich ist dabei weniger die absolute Höhe als die Beständigkeit. Ein Fonds mit gleichbleibend geringem Abstand arbeitet sauberer als einer mit stark schwankender Abweichung.
Die Wirkung über die Zeit
Warum sich Zehntel summieren
Ein Kostensatz wirkt jedes Jahr auf das dann vorhandene Vermögen. Da dieses Vermögen im Idealfall wächst, wächst auch der absolute Betrag, der jährlich abgezogen wird.
Zugleich fehlt der abgezogene Betrag in allen Folgejahren als Grundlage für weitere Erträge. Aus diesem doppelten Effekt entsteht über Jahrzehnte eine Größenordnung, die aus der reinen Prozentzahl nicht ablesbar ist.
Einmalige und laufende Kosten
Ein einmaliger Ausgabeaufschlag belastet das Ergebnis einmal. Eine laufende Verwaltungsgebühr belastet es in jedem Jahr des Anlagezeitraums. Bei langen Zeiträumen ist die zweite Größe daher weit bedeutsamer.
Diese Unterscheidung wird in Verkaufsgesprächen selten betont, weil der Ausgabeaufschlag die sichtbarere Zahl ist. Für die Beurteilung eines langfristigen Vorhabens ist sie die nachrangige.
Der Vergleich zu aktiv verwalteten Fonds
Aktiv verwaltete Fonds tragen die Kosten eines Analyseteams und weisen deshalb regelmäßig höhere Quoten aus. Um diesen Nachteil auszugleichen, müssten sie den Vergleichsindex dauerhaft übertreffen.
Untersuchungen über lange Zeiträume zeigen, dass dies nur einem Teil der Fonds gelingt, und dass sich der Kreis der erfolgreichen Fonds von Zeitraum zu Zeitraum verändert. Eine verlässliche Vorauswahl ist damit kaum möglich.
Kosten bei Versicherungsmänteln
Besonders deutlich wird der Effekt bei fondsgebundenen Versicherungen. Neben den Fondskosten fallen Abschluss- und Verwaltungskosten des Vertrags an, die über Jahre verteilt werden.
Das Produktinformationsblatt weist dafür Effektivkosten aus, die die Renditeminderung in Prozentpunkten angeben. Diese Zahl ist für den Vergleich geeigneter als die in Aussicht gestellte Ablaufleistung.
- TER enthält laufende Fondskosten, nicht Handels- und Depotkosten
- Nachbildungsabweichung zeigt die tatsächliche Belastung
- laufende Kosten wiegen schwerer als einmalige
- bei Versicherungsmänteln Effektivkosten vergleichen
Was sich in der Praxis senken lässt
Die Wahl des Depots
Depotführungsentgelte und Ordergebühren unterscheiden sich zwischen den Anbietern erheblich. Ein Wechsel ist möglich, und die Bestände werden dabei übertragen, ohne dass ein Verkauf erforderlich wäre.
Zu achten ist darauf, dass die Anschaffungsdaten mit übermittelt werden. Fehlen sie, unterstellt die neue Bank eine ungünstigere Bemessungsgrundlage für die spätere Besteuerung.
Ausführungsrhythmus und Handelsplatz
Bei kleinen Sparraten kann eine vierteljährliche statt monatliche Ausführung die anteiligen Kosten senken. Der Verlust an Verteilung über die Zeit ist dabei gering.
Ebenso lohnt der Blick auf den Handelsplatz. Außerbörsliche Ausführung ist bei manchen Anbietern günstiger, dafür ist die Geld-Brief-Spanne außerhalb der Handelszeiten der Referenzbörse häufig größer.
Aktionen und ihre Befristung
Kostenfreie Sparpläne sind häufig zeitlich befristet oder auf ausgewählte Fonds beschränkt. Nach Ablauf gelten reguläre Konditionen, ohne dass eine gesonderte Mitteilung erfolgen müsste.
Ein jährlicher Blick in die Abrechnungen zeigt, ob die ursprünglich gewählten Bedingungen noch gelten. Der Aufwand beträgt wenige Minuten.
Einordnung
Kosten sind die verlässlichste Größe
Die künftige Rendite einer Anlage ist unbekannt. Die Kosten dagegen stehen fest und lassen sich vor der Entscheidung vollständig ermitteln. Damit sind sie die einzige verlässlich steuerbare Größe.
Genau deshalb empfehlen Verbraucherzentralen, bei sonst vergleichbaren Produkten die Kostenseite zum entscheidenden Kriterium zu machen.
Nicht auf Kosten allein reduzieren
Der günstigste Fonds ist nicht automatisch der geeignetste. Fondsvolumen, Art der Nachbildung, Zusammensetzung des Index und Ertragsverwendung gehören ebenso zur Beurteilung.
Sehr kleine Fonds werden häufiger geschlossen oder verschmolzen, was einen ungeplanten Verkauf mit steuerlicher Wirkung nach sich ziehen kann. Ein Kostenvorteil von wenigen Zehnteln wiegt das nicht auf.
Was bleibt
Wer die Kostenseite einmal sorgfältig prüft, muss sie anschließend jahrelang nicht mehr anfassen. Der Aufwand fällt einmal an, die Wirkung hält über den gesamten Anlagezeitraum.
In der Summe aller Stellschrauben ist das die mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Ergebnis, und sie hängt nicht von Prognosen über die Entwicklung der Märkte ab.